2. Bildung und Kultur

2. Bildung und Kultur


Bildungspolitik

Wir fordern mehr Kontinuität im Bildungswesen.

BVB / FREIE WÄHLER wird dafür eintreten, die notwendigen Wege zur Erlangung von effizienter und umfassender Bildung zu schaffen und diese von hemmenden Verordnungen zu befreien – denn Wissen und Erfolg sind Pfeiler einer Gesellschaft!

 

Allgemeine Schulbildung

Im Kindergarten- und Vorschulalter der Kinder muss die Erziehung so gestaltet werden, dass die individuellen Fertigkeiten durch spielerische Vorgehensweisen untereinander verbunden werden mit dem Ziel, Zusammenhänge im Gehirn zu erreichen.

Die vor- und außerschulische Betreuung ist flächendeckend beizubehalten. KITA und Hort haben bereits einen guten Stand in Brandenburg. Daher steht für uns die Sicherung und Vervollkommnung der KITA-Standorte und des Hortsystems im Vordergrund. Dazu gehören auch ein ausreichender Betreuungsschlüssel sowie Erziehungsmethoden entsprechend dem neuesten Stand der Erziehungswissenschaften.

Es soll die Vielfalt der unterschiedlichen Bildungseinrichtungen gefördert werden

Nach Abschluss der 10. Klasse sollen durch Zeugnisnachweis die weiteren Auswahlkriterien zu weiteren Schulbesuchen bis zur 12. Klasse und dann zur Ablegung des Abiturs, das aus den zwei Richtungen mathematisch-naturwissenschaftlicher Zweig und sprachlich-künstlerischer Zweig bestehen sollte, festgestellt werden.

Abiturprüfungen sind zur gleichen Zeit und mit gleichen Schwierigkeitsgraden im gesamten Land durchzuführen. Dies soll der Nachweis für die anschließende Ausbildung an Fach-, Fachhoch-Schulen, Universitäten sowie anderen Instituten sein. Wir fordern gleiches Recht für alle Bewerber auf höhere Bildung ohne Abhängigkeit von der sozialen Herkunft.

BVB / FREIE WÄHLER fordert einen Verzicht auf die länderpolitischen Interessen im Bildungssektor. Bildung ist eine Bundesaufgabe und muss aufgrund der von den Bürgern geforderten Flexibilität und Mobilität auch nationalen Vergleichsstandards zugänglich sein. BVB / FREIE WÄHLER fordert entsprechende Initiativen des Landes Brandenburg im Bundesrat und in der Kultusministerkonferenz für eine bundeseinheitliche Bildungspolitik. Dabei können auch Einsparungspotenziale im Landeshaushalt erschlossen werden.

 

Berufsausbildung

Berufsausbildung hat die Aufgabe, die Entfaltung in der standardisierten Vermittlung von anwendbaren Fertigkeiten, vor allem in der gewerblichen Berufsausbildung zu erreichen.

Grundlage der Ausbildung in der Berufspraxis im Allgemeinen setzt bundesweit gleichwertige Abschlüsse der einzelnen Klassenstufen voraus.

Verbunden damit sind vergleichbare, gesetzlich vorgeschriebene Ausbildungskriterien aus dem Bildungsministerium des jeweiligen Bundeslandes notwendig.

BVB / FREIE WÄHLER fordert eine Verkürzung der Ausbildungszeit bei Nachweis von außerordentlichen Leistungen oder bei besonderer Begabung der Bewerber.

Die theoretische Ausbildung an bestimmten zentral gelegenen Berufsschulen ist zu sichern.

Wir streben die Möglichkeit der Nutzung zusätzlicher Ausbildungskurse an. In Ergänzung soll Kulturbildung und wissenschaftliche Prägung betrieben werden, um musische, gestalterische und technische Begabungen für die Allgemeinheit nutzbar zu machen.

Weiterhin sollte die Möglichkeit geschaffen werden, das Abitur und den Berufsabschluss verbunden mit dem Fachabitur in der gleichen Zeit zu erreichen und auf diesem Weg den Übergang zu höheren Bildungseinrichtungen zu schaffen.

 

Migrationspolitik

BVB / FREIE WÄHLER steht für eine von Respekt und Miteinander getragene Migrationspolitik. In den vergangenen Jahren wurden bereits wichtige Schritte auf diesem Gebiet im Land Brandenburg unternommen. Jedoch wurden auch viele Chancen vertan, Brandenburg zu einem modernen, den Wert der Vielfalt schätzenden Land zu entwickeln.

Deshalb fordern wir eine bessere Unterstützung von Menschen mit Migrationsgeschichte. Im Arbeitsmarktbereich gilt es, Stellen zu schaffen, auf denen interkulturelle Kompetenz gefragt ist und honoriert wird. Die Akzeptanz des Verwaltungshandelns wird erhöht, wenn in Behörden, Schulen, Gerichten und anderen Einrichtungen mehr Migranten Beschäftigung finden. Deutschsprachkurse sind flächendeckend, kostengünstig und auf hohem Niveau anzubieten. Zugleich sind die Schülerinnen und Schüler zu motivieren, andere Sprachen in noch höherem Umfang zu erlernen.

Die Verbesserung der sozialen Situation der Menschen mit ausländischem Pass ist uns wichtig. Mit einer speziellen Schulung im Umgang mit Migranten sollen Behörden befähigt werden, Barrieren im Umgang mit Gesetzen und Vorschriften abzubauen. Die Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben ist ebenbürtig zu ermöglichen. Wir werben für die Einrichtung kultureller Zentren zur Förderung des Dialogs. Durch lokale Stätten der Begegnung können den Menschen die Kulturen und Traditionen näher gebracht werden.

Entscheidend ist auch die Verteidigung der religiösen Toleranz. Gemeinsam mit den Bürgern müssen Anstrengungen unternommen werden, die ein friedliches Zusammenleben sicherstellen und Aufwiegelungen zum Hass konsequent entgegentreten. Hierzu muss bereits in der Schule der Weg geebnet werden. In den Unterricht müssen interdisziplinäre Elemente der Kultursensibilität und Toleranz einfließen. Dabei muss die gegenseitige Toleranz auf allen Seiten im Vordergrund stehen.

BVB / FREIE WÄHLER fordert ein aktiveres Wirken der sog. Härtefallkommissionen zur Verhinderung von Abschiebungen. Zudem sind die Wohn- und Lebensverhältnisse in Asylbewerberheimen schnellstmöglich zu verbessern.

Das Wahlrecht ist allen Menschen mit Lebensmittelpunkt in unserem Bundesland zu gewähren. Auch Migrantinnen und Migranten sollten das Recht haben, ihr Umfeld aktiv mitzugestalten. Daher sollten sie auch Stimme bei den Kommunal- und Landtagswahlen bekommen.

 

Kulturpolitik

Das Land braucht eine Neuaufstellung und Koordination seiner Kultur-Bildungsträger und Kultur-Schaffenden. In Brandenburg muss es möglich werden, alle Schritte von der frühkindlichen Musikerziehung über das Musikstudium hin zu den Brandenburger Bühnen in Brandenburg zu absolvieren.

Einer universitären Kunst-Ausbildung muss eine grundlegend überarbeitete Musikschularbeit zugrunde liegen. Frühkindliche Musikförderung in Kindergärten, die Arbeit der Musikschulen, des Musikunterrichts an Schulen, sowie die Aktivitäten der Musikuniversität und der staatlichen kulturellen Stiftungen müssen sinnvoll koordiniert und auf dieser Basis übergreifende Projekte entwickelt werden.

Ziel soll es sein, breiten Kreisen der Bevölkerung eine musikalische Ausbildung zu ermöglichen, besonders Begabte auf den Besuch musikalischer Lehreinrichtungen höherer Stufe vorzubereiten und das Gemeinschaftsmusizieren zu fördern. Die Musikschule soll sich einem Bildungsauftrag verpflichtet sehen, der im Einklang mit dem allgemeinbildenden Schulwesen zu einem umfassenden Kultur- und Kunstverständnis führt. Die mit der Viadrina erfolgreich geschaffene herausragende Vision einer europäischen Universität auf den Gebieten der Kulturwissenschaft, Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft muss auch für den Bereich der künstlerischen Bildung von Grund auf geschaffen werden.

 

Musikschule

BVB / FREIE WÄHLER spricht sich gegen die sich in den letzten Jahren abzeichnende Kürzung der Förderungsmittel und die dadurch resultierende Umwälzung der Kosten auf die Familien aus. Kindern den Unterricht an einer Musikschule zu ermöglichen, darf kein Luxusgut werden. Musische Bildung sollte jedem zugänglich sein und deshalb fordert BVB / FREIE WÄHLER eine spürbare Erhöhung des Landesanteils am Gesamtetat der öffentlich geförderten Musikschulen. Der Bedarf an Musikschulunterricht ist nach wie vor sehr hoch, Hunderte von Kindern und Jugendlichen stehen viele Monate, oft sogar mehrere Jahre auf einer Warteliste, bis sie einen Platz in der jeweiligen Musikschule bekommen. Die Kürzung der Fördermittel und der daraus resultierende Kapazitätsabbau (Stellenabbau und Minimierung der Schülerzahlen) an den Musikschulen stellen demnach mehr als nur einen Widerspruch dar.

Die Förderung talentierter Nachwuchsmusiker an Musikschulen, die eine Professionalisierung im Musikbereich mit meist dazugehörigem Musikstudium anstreben, sieht BVB / FREIE WÄHLER als verbesserungswürdig an und unterstützt dementsprechend die Etablierung einer umfangreichen (zum größten Teil für den Konsumenten kostenfreien) Studienvorbereitenden Ausbildung an den Brandenburger Musikschulen.

Entgegen den aktuellen Entwicklungen, spricht sich BVB / FREIE WÄHLER für einen Anstieg der Festanstellungen an öffentlich geförderten Musikschulen aus, um die Qualität der musischen Bildung weiterhin hoch zu halten.

Die Kriterien zur Einstufung nach Brandenburgischem Musikschulgesetz (BbgMSchulG) für die "förderfähigen Musikschulen" sollten überprüft und ggf. zugunsten bislang nicht geförderter Musikschulen überarbeitet werden.

 

Musikhochschule

Generell spricht sich BVB / FREIE WÄHLER für eine Ausweitung des musikpädagogischen Instituts der Universität Potsdam aus. Wünschenswert wäre die Etablierung weiterer musikbezogener Studiengänge, wie Instrumentalpädagogik, Elementare Musikpädagogik und die künstlerische Ausbildung auf einem Instrument.


Kulturförderung des Landes

Kulturelle Angebote gehören zur Daseinsvorsorge. Statt einer Konzentration auf Projekte in der Landeshauptstadt sind die Fördermittel zur flächendeckenden Versorgung des Landes zu verwenden. Bürgern der berlinnahen Regionen soll die Nutzung der umfangreichen Berliner Kulturangebote erleichtert werden. Ein landesweites Museums- und Theaterkonzept ist zu entwickeln, um allen Brandenburgern kulturelle Güter nahebringen zu können.

 

Kulturelle Bildung in und außerhalb der Schule

 Die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur durch die Bildungseinrichtungen fördert nicht nur Kernkompetenzen wie kritisches Denken, Kreativität, Sprachfertigkeit und problemlösungsorientiertes Handeln, sondern trägt auch zu einer ästhetischen, ethischen und ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung bei. Der kulturellen Bildung im Vorschulalter und in der Frühförderung soll daher verstärkte Aufmerksamkeit entgegen gebracht werden.

BVB / FREIE WÄHLER unterstützt Bildungsprogramme, die sozial benachteiligten Kindern den Zugang zu musischer Bildung erleichtern. Der Landesverband der Musikschulen Brandenburg e.V. hat schon viele solcher Förderprogramme ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Musische Bildung für alle“ ist beispielsweise das Bildungsprogramm „Klasse! Musik“ entstanden, das eine Kooperation von Grundschulen und Musikschulen in die Wege leitet. Ziel ist es, die Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse im Rahmen des schulischen Musikunterrichts an ihr Wunschinstrument in Kleingruppen heranzuführen. Dieser Instrumentalunterricht wird von examinierten Instrumentalpädagogen geleitet und ist zum Teil kostenfrei bzw. durch einen geringen Jahresbeitrag finanzierbar. BVB / FREIE WÄHLER fordert, dass solche Projekte in Zukunft im Sinne des öffentlichen Bildungsauftrags verstärkt gefördert werden. BVB / FREIE WÄHLER schlägt außerdem vor, in die Kooperation auch noch in der Ausbildung befindliche, angehende Musiklehrer miteinzubeziehen. Musikstudenten der Universität der Künste, der Hochschule für Musik Hanns Eisler oder auch der musikpädagogischen Abteilung der Universität Potsdam könnten einen Teil des Instrumentalunterrichts der an „Klasse! Musik“ teilnehmenden Grundschulen übernehmen. Die Studierenden profitieren in großem Maße von den gesammelten praktischen Erfahrungen in der Arbeit mit den Kindern.

Schulische Bildung muss auch in Zukunft ausreichende Anteile an Unterricht in Musik, Kunsterziehung und Darstellendem Spiel anbieten. Die Etablierung von außerschulischen Arbeitsgemeinschaften im kulturellen Bereich ist zu unterstützen.
 

Einführung eines starken Landeskulturbeirats

Gelebte Demokratie und Transparenz ist die Basis erfolgreicher Kulturpolitik, denn die öffentliche Hand ist einer der wichtigsten Förderer der Kultur. Wir fordern die Errichtung eines Landeskulturbeirates, der die Aufgabe hat, das Land Brandenburg in Fragen zur Kulturpolitik zu beraten. Außerdem würde dieser für die Koordinierung der kulturellen Bildungspolitik und die Erarbeitung von Konzepte zuständig sein und gemeinsam mit den staatlichen Kulturstiftungen und anderen Akteuren kulturelle Projekte durchführen.

Der Beirat soll das Bindeglied zwischen den Künstlern und der Politik sein.


Kultur und Wirtschaft

Ein attraktives kulturelles Umfeld ist eines von vielen Entscheidungskriterien bei der Standortwahl eines Unternehmens. „Kunst und Kultur“ als Imagefaktor haben sich als weiche Standortfaktoren für die Wirtschaft erwiesen. Es ist daher wichtig, Brandenburg als kreativen Wirtschaftsstandort international zu etablieren.

Die Kultur stellt einen messbaren wirtschaftlichen Faktor da. Dieser kann für die brandenburgische Tourismus-Branche noch stärker wirksam werden. Daher muss Kultur als maßgeblicher Bestandteil des Brandenburger Wirtschaftspotenzials im Bewusstsein der Menschen verankert werden. Eine erste Maßnahme ist, die Regionalen Wachstumskerne auch als kulturelle Wachstumskerne zu sehen und dort Kulturprojekte anzustoßen.


Kulturelle Frauenförderung    

Die tatsächliche Gleichstellung von Männern und Frauen soll gefördert werden. Brandenburgische Kultur- und Kunstprojekte sollen solange ein Augenmerk darauf haben, bis die Gleichstellung gelebte Praxis ist, und Frauen die Möglichkeit haben, selbstbestimmtes künstlerisches und kulturelles Leben zu schaffen.

 

Sportpolitik

BVB / FREIE WÄHLER steht für einen Ausbau des Schulsports ein, der an Brandenburger Schulen stark vernachlässigt wird. Ohne ausgiebigen und intensiven Sport ist die Entwicklung der heranwachsenden Jugendlichen mit erheblichen Gesundheitsrisiken und Motivationsproblemen verbunden.

Die Sportlehrer haben nicht mehr die Ausdauer und die Autorität, den Kindern Sportunterricht in dem Maße zu vermitteln, wie es erforderlich wäre. Wir fordern ein landesweites Konzept für den Schulsport, ohne Ausfallstunden und mit ganzheitlichen sportlichen Ansätzen zur umfassenden sportlichen Ertüchtigung.

Weiterhin ist eine fortwährende Weiterbildung der Sportlehrer notwendig, um die Gesundheit der Schüler umfassend zu fördern.

Der Sport fängt schon im Kindergarten an, die Erzieher müssen daher in die Pflicht genommen werden, Koordination, Geschicklichkeit, Gymnastik, Kondition, Feinmotorik mit den Kindern gezielt zu erarbeiten. Diese fünf Punkte müssen im Schulsport weiterhin beibehalten und effektiver sowie intensiver gestaltet werden.

Behinderte Kinder müssen besser im Schulsport integriert werden. Hierfür muss das notwendige ausgebildete Personal vorhanden sein.

Rauch- und Alkoholverbote auf öffentlichen Trainingsplätzen sollten die Vorbildfunktion auch in Vereinen unterstreichen.

Der freie Zugang zu öffentlichen und öffentlich geförderten Sportgeländen und Sportstätten sollte allen Sportlern garantiert werden, solange der Normalbetrieb es zulässt und keine Schäden oder Beeinträchtigung zu befürchten sind.