Mogelpackung LTE

Am 30. August 2010 wurde von der Telekom der erste Mast für die Funktechnik der vierten Generation, der sogenannten Long Term Evolution Technik (4G), in Kyritz (OstPrignitz-Ruppin) in Betrieb genommen. Kurz danach zog Vodafone am 23.09.2010 in Heiligendamm mit der eigenen Premiere nach. Die Mobilfunkkonzerne versprechen den Bürgern, die bisher noch nicht in den Genuss eines Breitbandanschlusses kommen konnten, eine schnelle Anbindung mittels LTE an das Internet.

 

Im Gegensatz zum G8-Gipfel, der im Jahr 2007 an dem von Vodafone gewählten ersten Standort stattfand, gab es keinerlei Proteste gegen das Vorgehen der Konzerne oder der Bundesregierung. Dabei ist die von der Bundesregierung als Kommunikationsrevolution gefeierte Technik alles andere als geeignet, um die für die Bürger und den Wirtschaftsstandort Brandenburg so wichtige schnelle Internetanbindung zu ermöglichen.

Da wäre zum einen die Auktion zu nennen, die bereits im Vorfeld von der Bundesnetzagentur so gestaltet wurde, dass nur drei der vier Mobilfunkanbieter einen Platz im begehrten 800 Mhz-Bereich ersteigern konnten. Dieser Bereich zeichnet sich dadurch aus, dass dort besonders gute Ausbreitungseigenschaften vorliegen und weniger Sendemasten für die gleiche Fläche benötigt werden als in dem ebenfalls versteigerten 2,6 GHz Band. Durch nur noch drei Anbieter wird der ohnehin schwache Wettbewerb bei den Mobilfunkanbietern nun bei dieser zukunftsweisenden Technologie noch weiter geschwächt.

Dies sieht man deutlich an den ersten Preisangeboten. Ein Anschluss mit (theoretischen) 50 MBit/s und 30 GB Volumen[1] kostet laut Vodafone stolze 69,99€ - purer Hohn für eine Leistung, die bei einem regulären DSL Anschluss mit Flatrate weniger als die Hälfte kostet. Die Telekom und O2 hielten sich bisher über ihre Preise bedeckt. Wohl auch, um keine zukünftigen Kunden zu verschrecken und Vertrauen in die Technik aufzubauen.

 

Letzteres ist auch dringend nötig, denn die Anschlussgeschwindigkeit wird nicht garantiert. Die genannte Übertragungsgeschwindigkeit bezieht sich auf die genutzte Funkzelle. Ist also nur ein Nutzer auf einer Funkzelle angemeldet, so kann er zwar die volle Bandbreite nutzen, kommen aber mehr Nutzer hinzu, so teilen sich die Teilnehmer die Leitung. Wird z.B. ein Dorf mit einhundert Einwohnern angenommen, von denen je einer einen Anschluss beim gleichen Anbieter nutzt, so sinkt bei gleichzeitiger Benutzung die Übertragungsgeschwindigkeit auf gut 500 KBit/s.[2] LTE ist demnach eher DSL zweiter Klasse als eine wirkliche Alternative!

 

Die Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen fordern die Landesregierung dazu auf, endlich für schnelle Breitbandanschlüsse für Bürger und Firmen zu sorgen, anstatt privaten Firmen den Ausbau von Netzen zu gestatten, die bei weitem nicht mit der Qualität einer Kabelverbindung mithalten können – und das bei doppelt so hohen Preisen. Eine Einlösung des Versprechens von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass „ 75 Prozent der Haushalte bis zum Jahr 2014 […] einen Anschluss für Breitband erhalten, der mindestens eine Übertragungsdichte von 50 Megabit pro Sekunde ermöglicht“, rückt damit in weite Ferne. Für diese Investitionen könnten die Auktionsgewinne aus der LTE Auktion in Höhe von 4,4 Milliarden Euro genutzt werden.

 

Christoph Irro

Landespolitischer Sprecher für Internetmedien der Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen



[1] Danach wird die Geschwindigkeit auf 384 KBit/s gedrosselt.

[2] Genau genommen handelt es sich um 512 KBit/s.


Pressemitteilung LTE.pdf