Arbeitslose individuell fördern – Perspektivlosigkeit bekämpfen

Damit ein Dialog auf Augenhöhe möglich ist, ist es notwendig, die Lebenssituation von Arbeitslosen zu verstehen und nachvollziehen zu können. Dies soll einer Stigmatisierung zuvorkommen und somit einen möglichst vorurteilsfreien Austausch ermöglichen. Zuvor möchte ich jedoch direkt aus dem zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) zitieren, was die Ziele der Grundsicherung für Arbeitsuchende sind.

 

"Die Leistungen der Grundsicherung sind insbesondere darauf auszurichten, dass durch eine Erwerbstätigkeit Hilfebedürftigkeit vermieden oder beseitigt, die Dauer der Hilfebedürftigkeit verkürzt oder der Umfang der Hilfebedürftigkeit verringert wird."

(§1 (1) SGB II)

 

Jemand muss hilfebedürftig sein, damit diese Unterstützung gezahlt wird (§7 SGB II). Jedoch kann der Begriff "Hilfe" recht umfassend sein und ist von Person zu Person unterschiedlich. Hilfe kann bedeuten, eine kurze Phase der Arbeitslosigkeit zu überbrücken, wenn bereits ein Job in Aussicht ist. Hilfe kann bedeuten noch zusätzlich finanziert zu werden, wenn nicht genug Geld durch die Arbeit verdient wird. Der Begriff "Hilfe" muss daher immer individuell betrachtet werden, da jeder Mensch verschiedene Fähigkeiten zur Hilftebewältigung mit sich bringt.

 

Die Leistungen, die Betroffene und Arbeitslose bekommen, richten sich nach dem Hilfebedarf. Dies kann über die Grundsicherung von 364€/Monat hinausgehen und so kann es z.B. Zuschüsse geben, wenn weitere Personen im Haushalt wohnen, Geld für Kultur oder Kleidung benötigt wird oder aber neue Möbel gebraucht werden. Diese Zuschüsse sind jedoch abhängig von der Lebenssituation der Betroffenen.

 

Es lässt sich aber nicht von der Hand weisen, dass dies einen riesigen bürokratischen Aufwand nach sich zieht und die Hilfebedürftigen meist überfordert. Hier kann bereits der erste Konflikt zwischen der Hilfebedürftigkeit und den Anforderungen der Arbeitsagentur geben. Wer von Arbeitslosigkeit bedroht ist, hat neben materiellen auch meist psychische Probleme, wie Hoffnungslosigkeit, Angst keine Arbeit mehr zu finden und als "Hartzer" abgestempelt zu werden. Die Geduld, Kostenübernahmeanträge auszufüllen ist dabei schwer aufzubringen. Ist es nicht schon eine Schmach genug, wenn signalisiert wird, dass man Hilfe braucht? Jeder kennt das unangenehme Gefühl, andere Leute um Hilfe zu fragen. Das ist bei den ersten Malen meist kein Problem, aber fragt man ein zwanzigstes Mal um Hilfe, möchte man am liebsten im Erdboden versinken. Es kommt unter anderem auch vor, dass auf Kostenübernahmeanträge schlichtweg nicht reagiert wird. Wo findet hier noch eine Hilfe statt, wenn der Antragsteller keine Unterstützung erhält?

 

Die Sanktionen der Arbeitsagentur helfen meist nur wenig, denn die Betroffenen haben Gründe für ihr Handeln, doch diese werden nicht hinterfragt bzw. berücksichtigt. Ziel soll es sein, dass die Betroffenen eine Arbeit findet, aber Strafen motivieren nicht, sondern haben vielmehr den Effekt, dass bestimmte Handlungen unterlassen bzw. vermieden werden. Es sollte stattdessen verstärkt auf die Ressourcen des Einzelnen geschaut werden. Was klappt gut? Wo hat die Person Stärken? Wo kann man sie gezielt fördern?

 

Die Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen / Freie Wähler fordern deshalb weniger Bürkokratie bei der Grundsicherung für Arbeitsuchende und mehr individuelle Betreuung. So individuell jeder Hilfeantrag ist, so individuell ist auch dessen Lösung. Es muss mit den Arbeitssuchenden zusammen überlegt werden, was es für Hilfemöglichkeiten gibt. Ein Leben im Existenzminimum ist kein Leben, sondern ein Existieren. Der Mensch definiert sich selbst über seine Leistungen und somit haben viele Arbeitslose das Gefühl nutzlos zu sein und nicht gebraucht zu werden. Alleine kommen sie meist nicht mehr aus dem Teufelskreis von Scham, Verzweiflung und Angst heraus. Noch besser wäre es, wenn sie gar nicht erst in diesen hinein gelangen würden. Wenn klar wird, dass eine Person eine Arbeitsstelle verliert, müssen sofort gemeinsam mit dem Betroffenen Alternativen gefunden werden.

 

Das heißt ganz klar: bessere Schulung des Personals und eventuell mehr Personal, mehr individuelle Betreuung und vor allem erleichterte Kommunikation zwischen Mitarbeiter_Innen und den Betroffenen. Hier ist nicht die richtige Stelle zum Sparen. Je schneller und effektiver eine Hilfe beendet werden kann, umso schneller profitiert auch die Wirtschaft davon. Rutschen die Betroffenen aber ab in Obdachlosigkeit, Süchte, soziale und kulturelle Ausgrenzung, Abwertung oder Stigmatisierung, wird einerseits Artikel 1 des Grundgesetzes ("Die Würde des Menschen ist unantastbar") missachtet. Andererseits werden wieder Hilfesysteme belastet, für die abermals Geld gebraucht wird, aus denen aber die Betroffenen viel schwerer herauskommen.

 

Hier soll nicht die Grundidee von Hartz IV kritisiert werden, sondern vielmehr unterstützende Ideen genannt und erklärt werden, wie die oben genannten Ziele erreicht werden können.

 

Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Internetseite www.bvb-fw.de.

 

Ulrich Irro

Landespolitischer Sprecher für Jugendförderung der Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen / Freie Wähler

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