BVB für Inklusion statt Integration
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- Veröffentlicht am Dienstag, 14. September 2010 13:09
- Geschrieben von Ulrich Irro
Das Thema Integration und Integrationspolitik ist in der letzten Zeit wieder sehr aktuell geworden. Die laufenden Diskussionen beziehen sich auf Menschen mit Migrationshintergrund, Einwanderern und ehemalige GastarbeiterInnen und deren Familie. Speziell die arabisch und türkisch verwurzelten BürgerInnen geraten dabei immer wieder ins Blickfeld. Das Wort "Integration" fällt dabei sehr häufig.
Die Bundesregierung formuliert ihre Ziele bei der Integrationspolitik wie folgt: "Bei der Integration geht es darum, dass wir zusammen leben und nicht nebeneinander her. Unser Zusammenleben soll von Respekt, gegenseitigem Vertrauen, von Zusammengehörigkeitsgefühl und gemeinsamer Verantwortung geprägt sein. "[1]
Die Ziele der Bundesregierung sind sehr nobel und sollten unterstützt werden, nur ist das Wort "Integration" irreführend bzw. falsch gewählt. An den folgenden Modellen soll erläutert werden, weshalb der Begriff Integration unpassend ist.
Exklusion
Bei der Exklusion findet ein Ausschluss von Individuen durch eine größere Gruppe statt.
Separation
Bei der Separation findet eine Trennung oder Ablösung von einer Gruppe zu einer anderen statt.
Integration
Bei der Integration findet eine Eingliederung einer Gruppe in eine andere statt. Dies kann nur von beiden Gruppen ausgehen. So erwartet die Bundesregierung eine Anpassung durch Sprache und die Zuwanderer eine Absicherungen durch die Regierung in Form von Schutz, Lebenserhalt usw.
Das Modell ist ohne Frage besser als die anderen beiden, nur ist auch deutlich zu sehen, dass ein Zusammengehörigkeitsgefühl nur schwer entstehen kann, da es immer noch "Grenzen" gibt. Diese können sich mit der Zeit auflösen, aber es können genausogut wieder neue Probleme entstehen. Es kann beispielsweise zu einer Ghettoisierung kommen, zu einer Gesellschaft in einer Gesellschaft. Ich möchte an dieser Stelle noch ein viertes Modell zeigen, was diese Grenzen gänzlich aufhebt.
Inklusion
Bei der Inklusion wird der Mensch als der akzeptiert, der er ist und mit all seinen Stärken und Schwächen anerkannt. Dies bezieht sich nicht nur auf Einwanderer und MigrantInnen, sondern auch auf Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung. Noch immer gibt es öffentliche Orte (speziell Bahnhöfe) an denen RollstuhlfahrerInnen keine Möglichkeit haben umzusteigen oder Personen mit einem Kinderwagen mit Schwierigkeiten konfrontiert sind, weil es keine Fahrstühle gibt.
Auch für MigrantInnen gibt es diverse Barrieren. Die Sprache ist eine von ihnen. Natürlich ist Deutsch die Amtssprache, nur kann man niemanden verbieten seine Muttersprache zu sprechen. Sie ist Teil der Kultur der Menschen. Es gibt auch viele Bemühungen der Bundesregierung in diese Richtung. So gab es seit 2005 mehr als 39.200 Sprachkurse.[2] Doch wieviele deutschstämmige BürgerInnen haben sich bemüht türkisch oder arabisch zu lernen? Fragen Sie sich bitte selbst, ob es besser ist englisch und französisch zu lernen als türkisch und arabisch und dann warum? Ist die eine Sprache besser als die andere?
Ich bin der Meinung, dass es ein Wandel im Denken geben muss. Wenn ein gemeinsames Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen soll, muss es auch ein gemeinsames Anpassen geben. Jeder Mensch hat Angst seine Kultur zu verlieren, weil sie Teil der Identität sind. Aber man könnte ja seine Kultur behalten und neue Aspekte annehmen. Dadurch würde eine neue Kultur entstehen, mit der man sich identifizieren könnte.
Ich fordere hiermit die Bundesregierung auf das Wort "Integration" durch "Inklusion" auszutauschen und so neue Maßstäbe zu setzten. Sie sollte als Vorbild der Bevölkerung dienen und als Vorbild für andere Länder. Alle Menschen sollten die gleichen Möglichkeiten haben. So sollte es keine separaten Lebensräume für MigrantInnen oder Personen mit einer Beeinträchtigung geben. Die Bundesregierung ist also mehr denn je in der Verantwortung etwas dafür zu tun. Hier Gelder zu streichen ist ein fataler Fehler, denn die nächste Generation ist die Zukunft.
Kindern ist es egal, welche Religion ein anderes Kind hat oder welche Sprache es spricht, sie spielen einfach zusammen. Erst wir Erwachsenen sagen, mit wem sie zu spielen haben und mit wem nicht. Sollten wir uns dann nicht vielleicht ein Vorbild an unseren Kindern nehmen?
Ulrich Irro
Landespolitischer Sprecher für Jugendförderung



