Stellungnahme gegen CCS
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- Veröffentlicht am Mittwoch, 11. Mai 2011 00:00
- Geschrieben von Robert Soyka
Aus Anlass des beginnenden CCS-Tests in Ketzin möchten wir hiermit Stellung zu CCS
beziehen und unsere Ablehnung für das Vorhaben zum Ausdruck bringen.
Warum wir die Verpressung von CO2 ablehnen
1. Mangelnde Kapazitäten in Brandenburg
Die Geologische Kapazität für die Verpressung von CO2 in Brandenburg ist auf rund
150 Mio. t beschränkt. Die Lausitzer Braunkohlekraftwerke produzieren pro Jahr etwa
60 Mio. t. CO2. Die Kapazität wäre damit nach etwa 3 Jahren erschöpft.
2. Mangelnde Anwendungsmöglichkeiten in Deutschland
In Niedersachsen und Schleswig Holstein ist aus geologischer Sicht die meiste
Kapazität zur CO2-Speicherung vorhanden. Diese Bundesländer haben CCS jedoch
abgelehnt. Wo in Deutschland soll nach den Tests CCS also angewendet werden?
3. Schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis
Die in Brandenburg speicherbare Menge an CO2 würde bei Freisetzung in die
Atmosphäre unter Annahme eines Schadens von 10 € pro Tonne langfristig Schäden in
der Größenordung von rund 1,5 Mrd. € verursachen, die durch CCS vermieden werden
könnte.
Doch schon die 1.000 MW-CCS-Demonstrationsanlage in Jänschwalde soll 1,5 Mrd. €
kosten. Hochgerechnet auf die gesamte Kraftwerkskapazität ergäben sich Kosten von
rund 10 Mrd. €. Hinzu kommen die laufenden Kosten und der Energieverbrauch der
Anlagen, der Transportaufwand zu den Lagerstätten, sowie der Aufwand zur
Verpressung in den Boden. Die Kosten zur Verhinderung der Schäden sind also höher
als die Kosten der andernfalls zu erwartenden Schäden. Das Geld sollte folglich besser
in die Entwicklung langfristiger Lösungen investiert werden.
4. Fehlallokation von geologischen Forschungskapazitäten
Vom Geoforschungszentrum Potsdam wird viel Zeit, Geld und Arbeitskraft auf die
Erkundung und Erschließung potentieller Lagerstätten für CO2 aufgewandt. Diese
Kapazitäten sollten statt dessen für die Erkundung potentieller Standorte für
Geothermische Kraftwerke eingesetzt werden (siehe Pressemitteilung „Allerhöchste Zeit
für tiefe Geothermie“ vom 28.04.2011).
5. Klimaschutz auf Kosten Umweltschutz
Braunkohle bleibt auch mit CCS aufgrund der Tagebaue eine umweltschädliche
Energieform. Aufgrund des Energiebedarfs bei der Abscheidung und Verpressung
werden die Schäden durch die Tagebaue je gelieferter kWh sogar noch größer.
6. Gefahr für Menschen
CO2-Ausbrüche sind zwar unwahrscheinlich, können jedoch nicht ausgeschlossen
werden und gefährden Menschenleben. Gerade Ketzin hat mit der unterirdischen
Speicherung von Gasen in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht: Der
Ortsteil Knoblauch musste wegen der Gefährdung der Bewohner evakuiert werden und
wurde abgerissen.
7. Risiken für Grundwasser
Eine Gefährdung des Grundwassers durch Verdrängung salzhaltigen Wassers in
höhere Schichten oder der Eintrag von Schadstoffen kann nicht ausgeschlossen
werden.
Wir fordern die Landesregierung daher auf, keine weiteren Standorte zur
Lagerung von CO2 zu entwickeln und sich komplett aus der CCS-Technologie
zurück zu ziehen. Das Geoforschungszentrum Potsdam sollte sich statt dessen
auf die geologische Erkundung potentieller Geothermie-Standorte konzentrieren.
Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Internetseite
Robert Soyka
Landespolitischer Sprecher für Umwelt und Naturschutz



