CCS gescheitert - Was nun?
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- Veröffentlicht am Samstag, 15. Oktober 2011 11:33
- Geschrieben von Robert Soyka
CCS, die Abtrennung und Verpressung von CO2, wurde bereits seit längerem von weiten Teilen der Brandenburger Bevölkerung und BVB/FREIE WÄHLER als zu teuer und gefährlich kritisiert. Dennoch wurden von der Landesregierung sowie dem Konzern Vattenfall mehrere Millionen Euro an brandenburgischen, deutschen und europäischen Steuergeldern für dieses Projekt ausgegeben. Nach dem Scheitern von CCS steht nun auch die Zukunft der Braunkohle in der Lausitz in Frage.
Bereits im August erklärte Ministerpräsident Platzeck CCS für gescheitert. Im September entschied der Bundesrat, dass die Bundesländer selbst entscheiden können, ob sie CCS im Land zulassen oder nicht. Zuletzt war die Regierung in Brandenburg – entgegen dem Willen der eigenen Bevölkerung – die einzige Landesregierung, die CCS einführen wollte. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein, den beiden Bundesländern mit dem größten Potential für CCS, hatten sich die Regierungen bereits zuvor dem Mehrheitswillen der lokalen Bevölkerung angeschlossen und CCS abgelehnt. Damit ist CCS mangels potentiellen Anwendern nun praktisch gescheitert, die investierten Steuergelder sind nutzlos verpufft. Ein besonderes Ärgernis, bedenkt man, was an anderer Stelle mit diesen Mitteln hätte erreicht werden können.
Doch nach dem Scheitern von CCS steht nun die Zukunft der Braunkohle in der Lausitz in Frage. Denn mit Braunkohlekraftwerken aber ohne CCS lassen sich die von der Landesregierung selbst gesetzten „Klimaziele“ bis 2030 nicht erreichen. Ein Abschalten, wie von Umweltverbänden und den Grünen gefordert, ist ebenfalls keine Alternative.
Auf den ersten Blick kann Brandenburg nach 11 Jahren Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) rund 40% des Eigenbedarfs an Elektroenergie aus Erneuerbaren Energien decken. Diese Zahl wird gerne genutzt, um zu suggerieren, eine hundertprozentige Versorgung sei in weiteren 19 Jahren möglich. Jedoch wird bei diesen Aussagen die Bevölkerung für dumm verkauft. Denn Brandenburg muss nicht nur genug Energie für sich selbst erzeugen, die Metropole Berlin wird zum überwiegenden Teil aus Brandenburg mit Elektroenergie versorgt. Dies wird auch so bleiben, denn Berlin hat mangels freier Fläche kein Potential, nennenswerte Mengen Erneuerbarer Energie zu erzeugen.
Bezieht man diesen Verbraucher mit ein, werden noch immer rund 80% des Energiebedarfs der Region Berlin-Brandenburg mittels Braunkohle erzeugt. Wenn nach 11 Jahren rund 20% der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien und Erdgas umgestellt wurden, und der Neuzubau seit Jahren konstant ist, kann man in 19 Jahren mit 60% rechnen, aber nicht mit 100%.
Da es in anderen Bundesländern mit der Selbstversorgung durch Erneuerbare Energien ehr noch schlechter aussieht als im dünn besiedelten Brandenburg, müsste die Lücke bei der Abschaltung der Kohlekraftwerke aus dem nahen Ausland gedeckt werden – und das bedeutet polnischen und tschechischen Kohle- und Atomstrom – ein Tausch, der ökonomisch wie ökologisch unsinnig ist.
Das sinnvollste Vorgehen ist die vorläufige Fortsetzung der Braunkohleverstromung ohne CCS. Mit zunehmender Produktions-, Leitungs- und Speicherkapazität bei den Erneuerbaren Energien können dann die Braunkohlekraftwerke sukzessive abgeschaltet werden, die ersten könnten um 2030 vom Netz gehen. Der entgültige Ausstieg aus der Braunkohle könnte dann bis etwa 2050 erfolgen. Die Kraftwerke wären zu dieser Zeit ohnehin am Ende ihrer Lebensdauer, es würden also keine bereits getätigten Investitionen vernichtet. In geringem Umfang wären neue Tagebaue nötig. Jedoch könnte für den geringen Zeitraum bei stetig sinkendem Bedarf auf die Abbaggerung von weiteren Siedlungen verzichtet werden.
Die Gewinne aus der Braunkohleverstromung könnten weitestgehend abgeschöpft und für die Erneuerbarern Energie eingesetzt werden, etwa für die Erschließung abgelegener Standorte für Windparks oder die geologische Erkundung geothermischer Potentialgebiete im Norden Brandenburgs.
Zudem gibt dieses Vorgehen der strukturschwachen Region Lausitz die Chance, sich auf eine neue wirtschaftliche Basis ohne Braunkohle umzustellen.
Das einzige, was diesem Plan im Wege steht, sind die selbst gesteckten Klimaziele der Rot-Roten Regierung. Diese Ziele würden erst einige Jahre später erreicht werden. Ein kleiner Preis, bedenkt man, dass die davon verursachte Erwärmung des Planeten so gering wäre, dass sie selbst mit feinsten Messgeräten nicht messbar wäre. Aus unserer Sicht ein akzeptabler Preis.
Wir fordern daher die Landesregierung auf, die Klimaziele des Landes an das Scheitern von CCS anzupassen, das Energiekonzept an die neuen Realitäten anzupassen und der Bevölkerung ihre Pläne zur Zukunft der Lausitzer Braunkohle ohne CCS vorzustellen.
Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Internetseite
Robert Soyka
Landespolitischer Sprecher für Umwelt- und Naturschutz



