Heidekrautbahn, quo vadis?

Zu hoher Aufwand – Heidekrautbahn sollte vorhandene Stettiner Bahn zum Gesundbrunnen nehmen, statt alte Stammstrecke neu zu bauen

Die Heidekrautbahn soll nach Berlin-Gesundbrunnen verlängert werden – doch über welche Strecke? Horst Tschaut plädiert für die Route über die Stettiner Bahn. (Bildquelle: Kds11, Wikipedia

Als fast ununterbrochenes Mitglied im Nahverkehrsbeirat unseres Landkreises (fast 15 Jahre als Kreistagsmitglied und fast 10 Jahre als Vertreter des Bahnkundenverbandes) erlaube ich mir eine Stellungnahme. Die Züge der Heidekrautbahn sollten bis Berlin-Gesundbrunnen fahren und auch von dort starten. Daran kann es überhaupt keinen Zweifel geben. Ob sie dies auf der alten Trasse (Stammstrecke) tun oder über Karow auf der „Stettiner Bahn“ von und nach Berlin-Gesundbrunnen fahren sollten, lässt sich nicht so eindeutig beantworten. Beide Strecken haben eine nahezu identische Länge. Die Zufahrt über Karow ist, wenn man die Bestellfrage draußen vorlässt, verkehrstüchtig vorhanden, könnte also ab sofort genutzt werden, lässt eine höhere Streckengeschwindigkeit zu und dürfte damit für alle potentiellen Nutzer der Heidekrautbahn ab Schönwalde nordwärts die attraktivere Lösung sein.

Ein Wiederherrichten der Strecke von Schönwalde über Mühlenbeck nach Wilhelmsruh würde gegebenenfalls neue zusätzliche Kunden generieren. Ob es aber so viele sein werden, dass der damit zu leistende Aufwand gerechtfertigt wäre, darf bezweifelt werden. Von der Außenring-S-Bahnstation Mühlenbeck-Mönchmühle ist man in 20 Minuten am Bahnhof Gesundbrunnen. Mit der Regionalbahn auf der Stammstrecke ab Mühlenbeck wird man das nicht unterbieten können, es sei denn, man investiert in die Strecke Außerordentliches. Reichlich über 50 Millionen Euro wären dafür auszugeben, um bestenfalls die obere Zeitzahl um maximal 5 Minuten zu unterbieten. Da es auch dann noch kein S-Bahn-Takt sein wird, sondern bestenfalls ein Stundentakt, werden wenige potentielle Kunden dieses Angebot auch annehmen. Die Menschen aus dem Mühlenbecker Land haben im Angebot die S-Bahn und Busverbindungen nach Berlin und zudem sind sie mit dem Auto auch schnell in Berlin. Man kann prophezeien, dass sich die Kosten des Wiederaufbaues der Stammstrecke nicht rentieren werden.

Nahezu ein Dutzend schienengleicher Wegübergänge werden trotz teurer zu bauender Halbschrankenanlagen den örtlichen Straßenverkehr gefährden und zusätzlich lahm legen. Über die alte Stammstrecke ist schlicht die Zeit darüber hinweggegangen. Es gibt bessere Alternativen. Das ist zum einen die elektrisch betriebene S8 entlang des Außenringes und zum anderen die Spangenverbindung der Heidekrautbahn von Schönerlinde nach Karow. Wenn öffentliches Geld da ist, dann sollte das Geld in diese Alternativen gesteckt werden – zur Verbesserung der Anlagen und zur Bestellung zusätzlicher Zugleistungen auf beiden Strecken.

Die alte Stammstrecke würde sich zwischen Wilhelmsruh und Schönerlinde wunderbar für einen Radweg eignen, für den Bahnverkehr der Heidekrautbahn ist dieses Relikt aus längst vergangenen Zeiten nicht notwendig. Ein Radweg auf der alten Trasse wäre auch ein Fortschritt. Dies sage ich als jemand, der 40 Jahre lang als Dipl.-Ing. im Eisenbahnbau tätig war und bekannt dafür ist, ein Herz für die Bahn zu haben.

Horst Tschaut
Landespolitischer Sprecher für Verkehr BVB / FREIE WÄHLER